Tomatensaison – gesund für die meisten, belastend für manche.

Warum gerade jetzt Sodbrennen, Histaminintoleranz & Co. häufiger werdenDie entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Sind Tomaten gesund? Sondern auch: Passen sie zu meinem Körper und meiner derzeitigen Stoffwechselsituation?

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Tomatensaison – gesund für die meisten, belastend für manche.
Photo by Peter Mammitzsch / Unsplash

Sind deine Tomaten auch jetzt sonnig rot und reif? Im Sommer sind Tomaten allgegenwärtig: im Salat, auf der Bruschetta, mit Mozzarella oder als fruchtige Soße. Für die meisten Menschen sind sie ein wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Manche bemerken während der Tomatensaison jedoch häufiger Sodbrennen, Hautrötungen, Kopfschmerzen oder Verdauungsbeschwerden.

Roh oder gekocht?

Tomaten liefern unter anderem Vitamin C, Kalium und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.

Interessanterweise kann der rote Pflanzenfarbstoff Lycopin aus verarbeiteten und erhitzten Tomaten häufig besser aufgenommen werden als aus rohen Früchten. Durch Zerkleinern und Erhitzen werden die pflanzlichen Zellstrukturen aufgeschlossen. Da Lycopin fettlöslich ist, verbessert die Kombination mit etwas Olivenöl zusätzlich seine Aufnahme. Eine gekochte Tomatensoße kann daher ernährungsphysiologisch ebenso interessant sein wie ein frischer Tomatensalat.¹

Diese Zubereitung passt auch gut zur Traditionellen Chinesischen Medizin. In der chinesischen Ernährungslehre werden bei einer empfindlichen Verdauung eher gekochte, gedünstete oder geschmorte Speisen empfohlen als große Mengen Rohkost. Die Tomate gilt zugleich als thermisch kühlend und saftbildend. Das macht sie zu einem typischen Sommerlebensmittel. Durch das Kochen wird die Mahlzeit insgesamt bekömmlicher, die kühlende Wirkung der Tomate bleibt aus Sicht der TCM jedoch grundsätzlich bestehen.²

Bitte darauf achten, keine Tomaten aus China zu essen (Verpackungsangaben)... ;-(

Aber: wenn Tomaten Beschwerden verstärken

Tomaten werden in vielen Empfehlungen zur histaminarmen Ernährung ausgeschlossen. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings weniger eindeutig, als häufig dargestellt wird: Der Histamingehalt von Lebensmitteln kann stark schwanken, und auch die verbreitete Einordnung bestimmter Lebensmittel als „Histaminliberatoren“ ist bislang nicht ausreichend durch klinische Studien abgesichert. Entscheidend bleibt daher die individuelle Reaktion.³

Bei empfindlichen Menschen können Tomaten außerdem aufgrund ihrer Säure Sodbrennen oder Refluxbeschwerden verstärken. Auch eine echte Tomatenallergie ist möglich und kann unter anderem im Zusammenhang mit Pollen- oder Latexallergien auftreten.⁴

Nicht jede Reaktion auf Tomaten ist somit automatisch eine Histaminintoleranz. Ein zeitlich begrenztes Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll kann dabei helfen, Zusammenhänge besser zu erkennen.

Sollten die Tomatenkerne entfernt werden?

In einigen naturheilkundlichen Empfehlungen wird geraten, die Kerne und das sie umgebende Gel zu entfernen. Gerade in diesem gelartigen Anteil befinden sich jedoch wasserlösliche Pflanzenstoffe, die hinsichtlich ihres Einflusses auf die Blutplättchen untersucht wurden.

Daraus wurde der standardisierte, wasserlösliche Tomatenextrakt Fruitflow® entwickelt. Für diesen Extrakt wurde in der Europäischen Union die gesundheitsbezogene Aussage zugelassen, dass er zur Aufrechterhaltung einer normalen Blutplättchenaggregation beiträgt, die wiederum einen gesunden Blutfluss unterstützt. Der zugelassene Effekt bezieht sich auf eine genau festgelegte Menge des standardisierten Extrakts – nicht pauschal auf Tomatenkerne, Tomatensaft oder eine Portion Tomatensoße.⁵

Fruitflow® wird heute als Inhaltsstoff in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt. Diese Produkte sind keine Arzneimittel und ersetzen weder eine ärztlich verordnete gerinnungshemmende Behandlung noch medizinisch notwendige Maßnahmen.⁵

Ein medizinischer Grund, bei gesunden Menschen grundsätzlich alle Tomatenkerne zu entfernen, lässt sich daraus nicht ableiten.

Sind Nachtschattengewächse entzündungsfördernd?

Tomaten gehören ebenso wie Paprika, Auberginen und Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen. Diese Pflanzen enthalten natürliche Alkaloide (Antinährstoffe), die in der Pflanze unter anderem der Abwehr dienen.

Daraus wird gelegentlich abgeleitet, Nachtschattengewächse seien grundsätzlich entzündungsfördernd. Dafür gibt es derzeit jedoch keine überzeugenden Belege. Einzelne Menschen mit funktionellen oder entzündlichen Darmerkrankungen könnten empfindlicher reagieren; die Forschung hierzu befindet sich aber noch am Anfang. Eine pauschale und dauerhafte Meidung ist ohne erkennbaren Zusammenhang mit Beschwerden nicht begründet.⁶

Was sagt die Blutgruppenernährung?

Der amerikanische Naturheilkundler Dr. Peter J. D’Adamo ordnet Lebensmittel danach ein, wie geeignet sie aus seiner Sicht für die verschiedenen Blutgruppen sind. In der überarbeiteten Ausgabe seiner TypeBase von 2017 werden Tomaten:⁷

BlutgruppeBewertung der Tomate
Ameiden beziehungsweise minimieren
Bmeiden beziehungsweise minimieren
ABneutral
0neutral

Wissenschaftlich ist eine Ernährung allein nach der ABO-Blutgruppe bislang jedoch nicht bestätigt. Ein systematischer Review fand keine ausreichenden Belege für die behaupteten gesundheitlichen Vorteile. Auch spätere Untersuchungen zeigten, dass mögliche Verbesserungen durch bestimmte Ernährungsformen nicht von der dazugehörigen Blutgruppe abhängig waren.⁸

Als alleinige Grundlage für Verbote oder Therapieentscheidungen reicht die Blutgruppe daher nicht aus. Interessant bleibt dennoch der Grundgedanke, dass Menschen Lebensmittel unterschiedlich vertragen können. Für die individuelle Beurteilung sind Beschwerden, Essgewohnheiten, Stoffwechselsituation und gegebenenfalls Laborwerte wesentlich aussagekräftiger.

In meiner Praxis beobachte ich, dass viele Menschen mit den blutgruppenbasierten Ernährungsplänen von gesund + aktiv ihre Ernährung erstaunlich gut umsetzen können. Häufig berichten sie im Verlauf auch über eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Ob diese Veränderungen tatsächlich auf die Berücksichtigung der Blutgruppe zurückzuführen sind oder auf die insgesamt bewusstere und individuell angepasste Ernährungsweise, lässt sich daraus jedoch nicht sicher ableiten (Herausforderungen bei der Durchführung klinischer Ernährungsforschung.[9]).

Fazit

Tomaten sind für viele Menschen ein wertvolles Sommerlebensmittel. Gekocht und mit etwas Olivenöl zubereitet, lässt sich das enthaltene Lycopin besonders gut nutzen. Aus Sicht der TCM passt ihre kühlende Wirkung gut in die warme Jahreszeit.

Wer nach Tomaten wiederholt Sodbrennen, Hautreaktionen, Kopfschmerzen oder Verdauungsbeschwerden bemerkt, sollte sie jedoch nicht vorschnell als grundsätzlich „ungesund“ verurteilen. Sinnvoller ist es, die persönliche Reaktion genauer zu beobachten und mögliche Ursachen zu unterscheiden.

Hier kannst du in meiner Naturheilpraxis einen Termin zum kostenlosten Erstgespräch vereinbaren oder dich mit deinen Wunschzeiten auf die Warteliste für Blutentnahmen setzen lassen.

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Quellen

1 Burton-Freeman B, Reimers K. Tomatoes and Health: Emerging Benefits. Nutrients. 2022;14(7):1445. Die Aufnahme von Lycopin wird unter anderem durch Verarbeitung, Erhitzen und den gleichzeitigen Verzehr mit Fett beeinflusst. (Frontiers)

2 Engelhardt U, Hempen CH. Chinesische Diätetik. Urban & Fischer/Elsevier. Einordnung der Tomate als thermisch kühlendes und Säfte bildendes Lebensmittel innerhalb der chinesischen Ernährungslehre.

3 Sánchez-Pérez S et al. Low-Histamine Diets: Is the Exclusion of Foods Justified by Their Histamine Content? Nutrients. 2021;13(5):1395. Die Zusammensetzung histaminarmer Diäten ist uneinheitlich; die wissenschaftliche Grundlage vieler Lebensmittelausschlüsse und des Konzeptes der „Histaminliberatoren“ ist begrenzt. (PMC)

4 Włodarczyk K et al. Tomato Allergy: The Characterization of the Selected Allergens and Antioxidants of Tomato. Antioxidants. 2022;11(4):644. Beschrieben werden unter anderem Zusammenhänge von Tomatenallergien mit Pollen- und Latexallergien. (PMC)

5 Commission Decision 2009/980/EU sowie EFSA: Scientific Opinion on Water-Soluble Tomato Concentrate and Platelet Aggregation. Der zugelassene Claim gilt für wasserlösliches Tomatenkonzentrat in der festgelegten Dosierung. Fruitflow® kann in Lebensmitteln, Getränken und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden. (PMC)

6 Kuang R et al. Nightshade Vegetables: A Dietary Trigger for Worsening Inflammatory Bowel Disease? Nutrients. 2023. Die Autoren diskutieren mögliche Mechanismen und betonen zugleich den Bedarf an klinischer Forschung; eine generelle entzündungsfördernde Wirkung für die Allgemeinbevölkerung ist daraus nicht ableitbar. (PubMed)

7 D’Adamo PJ. TypeBase V – Eat Right for Your Type, 2017 revised edition. Tomate, Secretor-Bewertung: A und B „Avoid“, AB und 0 „Neutral“. (dadamo.com)

8 Cusack L et al. Blood Type Diets Lack Supporting Evidence: A Systematic Review. Am J Clin Nutr. 2013;98(1):99–104. Wang J et al. ABO Genotype, “Blood-Type” Diet and Cardiometabolic Risk Factors. PLoS One. 2014;9(1):e84749. (PubMed)

9 Weaver CM, Miller JW. Challenges in conducting clinical nutrition research. Nutrition Reviews. 2017;75(7):491–499. doi:10.1093/nutrit/nux026